Über mich

Hallo, ich bin ein Zugvogel.

Mein Name ist Timo Vogel. Ich wurde 1974 in Pforzheim geboren und bin dort aufgewachsen.

Nach meiner Schulzeit habe ich eine Ausbildung zum Industriemechaniker gemacht. Auch wenn mich der Beruf schon damals nicht sonderlich interessierte, hat er meinen Lebensweg immer wieder beeinflusst und mir Möglichkeiten eröffnet. Was ich damit sagen möchte, ist, wir können im Leben nicht falsch abbiegen. Das Leben macht keine Fehler.

Meine Heimat Pforzheim und besonders der nördliche Enzkreis, wo ich aufgewachsen bin, wurde mir bald zum Leben zu eng. Der Zugvogel in mir meldete sich zum ersten Mal. 

Mit 21 Jahren bereiste ich allein den Süden Afrikas. Damals legte ich in zwei Monaten Rund 6.000 Kilometer durch die Länder Namibia, Botswana, Zimbabwe, Sambia und Südafrika zurück. Ein Klacks verglichen mit meiner großen Reise. Als Backpacker zu reisen war damals allerdings etwas völlig anderes als heute. Zum Glück wusste ich dadurch, was ich auf meiner großen Reise nicht möchte. Nämlich auf ausgetretenen Touristenpfaden unterwegs sein.

Es folgten ein paar Jahre, in denen ich mich ausprobiert habe und schließlich bin ich nach Hamburg umgezogen, wo ich eine Schauspielschule besuchte. Danach spielte ich an verschiedenen Theatern und verdiente mein täglich Brot auch immer wieder durch andere Tätigkeiten. In dieser Zeit kam ich ziemlich weit herum.

Als ich über 30 Jahre alt war hatte ich ein Bedürfnis nach mehr Stabilität in meinem Leben. Der Absprung von meinem Leben als Zugvogel war allerdings nicht leicht. Ich wusste einfach nicht, wohin der Weg gehen sollte.

Wie aus mir ein Lehrer wurde, kann ich mir selbst nicht erklären.

Das stimmt freilich nicht ganz. Ich kann es mir sehr wohl erklären, aber über diesen Kurswechsel in meinem Leben staune ich bis heute.

Ich lies mich mehr oder weniger dazu überreden. Die Vorteile dieses Berufs waren verlockend und die Nachteile kannte ich damals noch nicht so genau. Also zog ich in die Heimat zurück und wurde Lehrer.

Meine Zeit als Lehramtsanwärter verlief, sagen wir mal durchwachsen. Im Laufe der Zeit verlor ich mehr und mehr die Verbindung zu mir selbst. Ein Gefühl, das sich für einen Zugvogel anfühlt, als lebe er das Leben eines Unbekannten. Ich wurde sogar ein bisschen depressiv. Überspitzt ausgedrückt musste ich lernen, wie man sich einen grauen Vollbart wachsen lässt, einen karierten Pullunder mit Kragenhemd darunter anzieht und in Strümpfen Sandalen.

Als ich meinen Abschluss in der Tasche hatte, wollte ich kein Lehrer mehr werden. Die vom Bundesland organisierte Stellenvergabe erleichterte die Entscheidung zusätzlich. Vom Mensch zu einer Sache zu werden, die man hinstellen kann, wo man sie gerade braucht, ist in der DNA eines Zugvogels nicht vorgesehen. Ebenso ist es in der DNA der Beamtenseele nicht vorgesehen, Zugvögel zu verstehen. Wir passen einfach nicht zusammen.

Wie der Phönix aus der Asche.

Der Zugvogel war wieder geboren und die Reise begann. Es dauerte nicht lange und ich hatte wieder Verbindung zu mir selbst. Die Depression war weg und ich wieder frei. Ich arbeitete auf, was hinter mir lag und verstand einmal mehr: Wir können im Leben nicht falsch abbiegen. Das Leben macht keine Fehler.

Doch nach dem Abenteuer ist vor dem Abenteuer.

Als ich von meiner großen Reise zurück war, begann ich als Lehrer zu arbeiten. Es war völlig anders, als ich es in Erinnerung hatte und machte Spaß. Drei Jahre später ist es wieder so weit. Der Zugvogel meldet sich und will aus der allmählich eingetretenen Routine raus und neues Futter.

Nach dem Abenteuer ist vor dem Abenteuer.